Testgefrickel

Achtung: zwei Premieren auf einmal! Der Server läuft wieder, und ich blogge das erste mal via Android App vom Handy! Die alten Einträge und ein vernünftiges Theme kommen in den nächsten Tagen auch zurück.

In der Bar belauscht (1)

“Mein Opa hat damals, 1943, als SA-Mann, auf dem Frankreich-Feldzug eine Omega Quartz gekauft. Die hat er getragen bis zu seinem Tod. Und wem hat er sie dann vererbt?! Meinem Cousin! Meinem Asi-Cousin, der Türsteher ist und andauernd nur irgendwelche Gelegenheitsjobs hat. Der hat die Uhr bekommen, nicht ich.”

Man beachte, mit welch beeindruckendem Mangel an Taktgefühl im ersten Satz mit jedem Nachsatz die Situation verschlimmert wird.

Soviel Schwachsinn in einem Nachsatz.

Ein Waffensammler soll er gewesen sein, Sturmbannführer, gar ein Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen.

Dem aufmerksamen Leser wird die mangelnde Logik dieses Satzes ins Auge springen. Sollten Sie zu diesen Menschen gehören, und sollten Sie darüberhinaus Pläne haben, jemals bei der Badischen Zeitung zu arbeiten, muss ich Sie enttäuschen: Mit soviel Verstand wird das nichts.

Die BZ schrieb, nachdem der Name des vermeintlichen Attentäters von Oslo bekannt wurde, unter anderem diesen hübschen Absatz:

Nach Darstellung der norwegischen Zeitung Aftenposten gilt Breivik als ausländerfeindlich und islamkritisch, als Gegner einer multikulturellen Gesellschaft, als ein Mann mit einer konservativen bis fundamentalistischen christlichen Gesinnung, als Freimaurer gar. Bodybuilding, Computerspiele wie “World of Warcraft” und die Jagd seien die Hobbys des Junggesellen, heißt es. [Link im Original, Hervorhebung von mir.]

Ich persönlich finde diesen Satz durchaus entlarvend. Er scheint zu verraten, dass man sich bei der BZ in manchen Fällen seiner Vorurteile so sicher ist, dass man es nicht einmal für nötig hält, auch nur oberflächlich online zu recherchieren. Ich erinnere an eine Kolumne vor einigen Jahren, die schon rein rechnerisch wenig Sinn machte — gestört hat das niemanden, gedruckt wurde das Ding trotzdem. Anders als damals finde ich diesen Fall aber wesentlich fieser.

Der Satz suggeriert, die Mitgliedschaft des Verdächtigen in einer Freimaurerloge sei eine logische Folge seiner Weltsicht, genauer: seiner christlich-fundamentalen, anti-multi-kulturellen, islam- und ausländerfeindlichen Weltsicht. Nun hätte ein wirklich wahnsinnig kurzer Blick in der Wikipedia-Artikel zur Freimaurerei dem Autoren geholfen, seine vermutlich bei Dan Brown recherchierten Informationen zum Thema über den Haufen zu schmeißen. Dann hätte aber sein schöner Satz nicht mehr funktioniert, und ernsthafte Recherche kann man von einem deutschen Journalisten ja nun auch wirklich nicht erwarten. Also deutet man in nur drei Worten (das muss man sich mal vorstellen, das beeindruckt schon fast!) eine Institution, die durchaus als Motor der europäischen Aufklärung bezeichnet werden darf, in ihr exaktes Gegenteil um. Eine Institution, in deren Alten Pflichten von 1723 (die wir hier kurz der Einfachheit halber als “Grundgesetz der Freimaurerei” bezeichnen) bereits festgehalten wurde, dass die Religion eines Menschen keine Rolle spielen darf, wenn es um seine Aufnahme in die Loge geht. Zu deren Grundfesten es gehört, dass Religion nicht Thema eines Streitgespräches innerhalb der Loge werden darf. Die sich dem Humanismus verschrieben hat, die von der katholischen Kirche und von totalitären Regimen verfolgt wurde, und die bei ihren Mitgliedern nicht einmal den Glauben an ein höheres Wesen voraussetzt, sondern ganz im Gegenteil ihren Grundsätzen nach das Ziel verfolgt, Menschen aller Religionen, Schichten und Nationalitäten zusammenzubringen.

Kurz: Die gegen alles, aber wirklich ALLES, steht und schon immer stand, was dieser vermutlich christlich-fundamentalistische Spinner vom rechten Rand mit einer Autobombe und einer Maschinenpistole durchzusetzen versuchte.

Aber passt schon, BZ. Jedenfalls in mein Bild von dir.

Kurz nachfragen wollte ich bei Dir,

360 Live, dem “unabhängigen XBOX360 Magazin”, ob denn noch alles in Ordnung ist, so hirntechnisch. In Deinem Review des Shooters Homefront, in dem es um eine Invasion des American Heartland durch nordkoreanische Truppen und den Widerstand gegen die anschließende Besatzung geht, fabulierst Du nämlich recht interessant:

In einer Szene muss das Team durch ein Baseball-Stadion fliehen. Doch als es von einer der Tribünen aus das Spielfeld erspäht, stockt ihnen der Atem. Mit Radladern füllen die Besatzer hier Massengräber. Connor rastet sofort aus. Es folgt ein heftiges Feuergefecht – das das Team auch gewinnt. Als jedoch klar wird, dass gleich Verstärkung aus der Luft anrückt, befiehlt Connor das einzig Sinnvolle: »Rein ins Massengrab, bedeckt euch mit den Leichen – sie dürfen keinen von uns finden!« Ob man das hier Antikriegs-Shooter nennen kann? In Szenen wie diesen ganz bestimmt.

Nun ist die Frage, ob Shooter nicht aufgrund gewisser, genreinherenter spielmechanischer Restriktionen grundsätzlich recht unpazifistisch sein müssen und sich in genau diesem Punkt zwangsweise von Antikriegsfilmen unterscheiden, oft und kontrovers diskutiert worden. Zuletzt geschah dies sehr überzeugend, wohl durchdacht und überaus lesenswert in der GEE.

Du hingegen, 360 Live, beantwortest Dir deine gerade aufgeworfene Frage übrigens recht eindeutig selbst:

Nur ein Mal innerhalb der Kampagne kommt der Granatwerfer-Aufsatz als Sekundärfeuer eines ACR-Gewehrs zum Einsatz. Schade eigentlich, das Ding hat ordentlich Bums.

Um kurz Dein Verständnis von “Antikriegsspiel” zusammenzufassen: Massaker und Massengräber voll grausam und eklig und so, aber ballern voll geil! Alter! Da ist die Message ja richtig gut angekommen. Bzw. war nie da, mal ganz ehrlich.

Ihr Pappnasen.

BuchZ / Altlasten verkaufen

Gestern fand ich an der Uni einen Flyer für die wohl recht neue Verkaufsplattform BuchZ.de. Die Grundidee (neben dem obligatorischen “Von Studis für Studis”, das hat StudiVZ schließlich auch mal behauptet) ist ein verpflichtend versandkostenfreier Verkauf, bei dem weder für Käufer noch Verkäufer Gebühren anfallen. Wer schon einmal bei Amazon Bücher verkauft hat (und ich mache das regelmäßig), wird dies sehr zu schätzen wissen. Zu diesem Zweck kann der Verkauf auf eine bestimmte Hochschule eingegrenzt werden und persönlich stattfinden, oder eben bundesweit angeboten werden -  in dem Fall zahlt der Verkäufer dann eben die 85 Cent für den Buchversand und verdient immer noch mehr, als im Schnitt bei Amazon rauskommt. Und der Käufer spart sich die 3€ Versandkostenpauschale, die dort zwangsweise anfällt (und von der kaum etwas wirklich beim Verkäufer ankommt). Bisher hat die Seite einige (wirklich kleine) Macken und springt beispielsweise manchmal nach dem Klick auf die entsprechende Schaltfläche nicht zum Formular zur Angebotserstellung, sondern wieder auf die Startseite; die Navigation ist auch etwas unglücklich durchdacht, den Weg zum eigenen Konto findet man nur ganz unten auf der Seite–also dort, wo sonst nur FAQs und legaler Kram verlinkt werden.

Ich habe jetzt meinen kompletten Amazon-Bestand auch bei BuchZ reingestellt und bin gespannt, ob und wie’s läuft. Ich berichte. Selbstverständlich.

 

Nachtrag, 12.2.12: War ein Reinfall. Nichts verkauft, Account gelöscht.

Westfalen contra Taktgefühl.

Bereit für eine großartige “Hab’ ich was Falsches gesagt?!”-Szene?

Ich besuchte meine Oma, welche ich vertieft in eine Unterhaltung mit einer Nachbarin auf der Treppe ihres Hauses fand.

“Hallo!”

“Ach, Philipp! Frau W., kennen se den noch? Das ist mein Enkel Philipp!”

“Nee, hätte ich jetzt nicht wiedererkannt. Ich dachte gerade, da kommt mal wieder einer und will schnorren.”

Im Zug belauscht. (2)

“Aus China kommen Sie? Ich war vorhin noch mit meiner Tochter chinesisch essen, die hat mich zum Bahnhof gebracht. Ich hatte Rindfleisch mit Zwiebeln, sehr lecker war das. Die hatten da auch so mongolische Sachen. Nee, die hab’ ich nicht probiert, dann hätte ich ja vielleicht diese gräßliche Milch probieren müssen. [...] Vor zwei Tagen waren wir bayerisch essen. Wir wollten jetzt mal mehr so internationale Küche ausprobieren. [...] Die ganzen Burgen hier sind alle aus der Zeit, als wa noch’n Kaiser hatten. Und Ritter. Aber das sind heute ja nur noch Ruinen, die sahen früher anders aus. [...] Ja ja, dat is ja unsere Geschichte. Sie ham ja ne andere!”

Durchaus nicht unsinnig, liebe Stadt Freiburg,

erscheint Dein Bemühen, Deine Bürger vor den Gefahren durch sogenannte Geisterradler zu warnen. Immerhin 9000 Euro wert ist Dir diese Maßnahme. Zu diesem Zweck besprühst Du seit neuestem Deine Radwege mit einer eigens dafür angefertigten Schablone, deren Radikalität unser Bild von Dir als Ökohippiehauptstadt doch etwas ins Wanken bringt:


schreibst Du da auf Deine Bürgersteige und Radwege. Nicht nur steht damit die letzte Zeile recht  hirn-, sinn- und satzzeichenfrei elliptisch doof in der Gegend rum und wundert sich, was sie da eigentlich soll. Verwundernswert erscheint vor allem Deine mittels Ausrufezeichen verstärkte Handlungsanweisung.

Grundsätzlich jedoch immer gerne bereit, dieser Folge zu leisten:

Herr F.

Im Zug belauscht.

Mittdreißiger (dem Dialekt nach aus dem Ländle): “Isch du imme sagge: Isch muss da arbeide, wo andere Mensche Urlaub mache, ge! Hähä!”

Rentner (dem Dialekt nach aus dem Pott): “Ja nu, ich hab’ immer da gearbeitet, wo keiner Urlaub machen will. Wat issen wohl schlimmer?”

The Lords – Poor Boy Guitar Tab / Chords

Mit Erstaunen, was sage ich: Erschrecken! musste ich feststellen, dass nirgends im Internet Tabs oder auch nur Akkorde für dieses Glanzstück schlechtgesungenen Englisches zu finden sind. Nachdem jetzt die Examensarbeit vorbei ist und ich Prokrastinationsmittel suche, die mich vom Klausurlernen abhalten, mache ich’s also kurzerhand selbst. Obwohl WordPress (bzw. mein Theme/Font hier?) die Darstellung immer wieder verreißt. Falls es sich jemand unverschoben rauskopieren will, unten hängt ein PDF. Continue Reading »