Rosenkranzaltar und Scheiterhaufen

Das Geheimnis der Hohnekirche in Soest/Westfalen

Fidler, Rudolf:

Rosenkranzaltar und Scheiterhaufen.
Das Rosenkranzretabel zu Werl/Westfalen (1631) im Wirkfeld von Konfessionspolitik, Marienfrömmigkeit und Hexenglaube

Zugl.: Dortmund, Univ., Diss., 2002
Margarita-Verlag Köln, Köln 2002, ISBN 3-9800 413-3-6
Umfang: 358 Seiten, 13 Farbtafeln, 16 Schwarz-Weiß-Abbildungen

Gefördert vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Abteilung Kulturpflege

Gliederung; Zusammenfassung der Forschungsergebnisse


Ladenpreis: 32 Euro

Bezug über den örtlichen Buchhandel oder per Mail an den Autor


Inhalt:

Der Werler Rosenkranzaltar diente u.a. als Symbol religionspolitischer Gefolgschaft der Stadt Werl gegenüber ihrem Landesherrn und als von den Bürgern getragenes Propagandainstrument der Rekatholisierung. Darüber hinaus war er magisches Mittel zur Krisenbewältigung und langfristig angelegtes Objekt der Jenseitsvorsorge.

Da es in Werl zeitgleich mit der Errichtung des Rosenkranzaltars zur Hinrichtung von etwa 70 Hexen gekommen ist, behandelt die vorliegende Arbeit ebenfalls, wie diese beiden Phänomene miteinander zusammenhängen. Als Fazit wird festgestellt, dass die frühneuzeitlichen Vorstellungen von Maria und den Hexen durch das Prinzip der Umkehrung miteinander verknüpft sind und auf einer theologisch begründeten Frauen- und Sexualfeindlichkeit beruhen. Die Gestalten von Maria und den Hexen erweisen sich vor diesem Hintergrund als extreme Pole einer Sichtweise von Weiblichkeit, die wesentlich durch Idealisierung und Dämonisierung von Frauen gekennzeichnet ist

Kunstgeschichtliche Würdigung und ikonographisch-ikonologische Erschließung des Altars runden die interdisziplinär angelegte Arbeit ab.

Abb. links: Jakob Sprenger OP (1436-1495)Gründer der Kölner Rosenkranzbruderschaft
und Mitverfasser des Hexenhammers

In ihrer Einleitung zur Neuausgabe des Hexenhammers vertreten Jerouschek/Behringer (2000) die Auffassung , dass dieses Werk ausschließlich aus der Feder von Heinrich Institoris stamme.  Eine detaillierte Auseinandersetzung mit dieser These finden Siehier (Word-Dokument zum Download).

Leserstimmen:

„… Insgesamt zeigt die Arbeit ein profundes Sachwissen und einen souveränen Umgang mit den unterschiedlichen Methoden, die für eine mentalitätsgeschichtliche Analyse erforderlich sind. … Die Beschreibung der Volksfrömmigkeit, des theologischen Frauenbildes und der Mariologie steht auf der Höhe der Forschung. Der konkrete Bezug auf die Situation von Werl und auf die Konzeption des Rosenkranzaltars vermag neue Forschungsergebnisse zu erbringen. …““- Erstgutachter Prof. Dr. Detlev Dormeyer, Universität Dortmund, 30. 4. 2002

„… Abgesehen von vielen … Einzelbefunden leistet die Arbeit vor allem in zwei Bereichen einen weiterführenden Beitrag zur Forschung: in dem mentalitätsgeschichtlichen Aufweis der Zusammenhänge von Marienverehrung und Hexenverfolgung und zur religiösen Ikonographie der frühen Neuzeit. …“ – Zweitgutachter Prof. Dr. Norbert Mette, Universität Dortmund, 25. 4. 2002

„… Ich habe Ihr Buch mit Interesse, Zustimmung und Gewinn gelesen. Ihre Darstellung verbindet in klarer Weise unter sehr unterschiedlichen methodisch-disziplinären Blickwinkeln gewonnenes Material zu einem stimmigen, immer wieder konkret ausgestaltenden, faszinierenden Bild einer Epoche; sehr anerkennenswert auch, wie sich über das Ortsgeschichtliche eine feste Beziehung zu heutiger Lebenswelt, Ihrer eigenen und der eines Teils mindestens Ihrer Leserschaft ergibt. … Ich werde, falls noch fehlend, Ihr Buch zur Anschaffung durch unsere hiesige Universitätsbibliothek vorschlagen.“ – Prof. Dr. André Schnyder, Universität Bern, 11. 5. 2003

„… Fidler stellt die Idealisierung von Maria und die brutale Verfolgung von Frauen als Hexen in Verbindung mit unbewältigten Konflikten der Kirche im Umgang mit Sexualität. ‚Sie basieren auf einer Tradition kirchlicher Leib- und Frauenfeindlichkeit, die Frauen seit dem frühen Christentum wegen des Sündenfalls ihrer Stammmutter Eva als zweitrangig ansah und sexuelle Lust als teuflisch verdammte.‘ Der Theologe stellt fest, dass diese Auffassungen offensichtlich im Widerspruch stehen zur biblischen Überlieferung einer Schöpfung, von der in Gen1,31 gesagt wird, dass sie ’sehr gut‘ sei. Er erwähnt, dass die Theologin Dorothee Sölle der entsexualisierten Maria eine subversive Maria entgegensetzt, bei der Widerstand spürbar ist – möglicher Ansatz zu einem neuen Marien- und somit zu einem neuen Frauenbild, auch innerhalb der Kirche?“, Yvonne Kane, in „frauenbunt“ 11/2003 (Zeitschrift des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes SKF)

„… Ihre Arbeit leistet einen entscheidenden Beitrag zur Aufhellung der Geschichte unserer Stadt …“, Bürgermeister Michael Grossmann, Werl, 19. 7. 2002

„Schon der Titel … lässt auf Brisanz schließen und weckt hohe Erwartungen, die … erfüllt werden. Die durch gut recherchierte Fallstudien erhärtete These lautet: Synchronizität und geographische Nähe der Installierung von aufwändigen Marienaltären einerseits und grausam betriebener Hexenverfolgung andererseits – und das in Personalunion – sind kein Zufall in der Kirchengeschichte. Die Gleichzeitigkeit der Phänomene hat die Fährte provoziert, der Fidler gefolgt ist, mit dem Ergebnis, dass Marien-Verehrung und Hexen-Verfolgung der frühen Neuzeit durch das Inversionsmotiv miteinander gekoppelt sind und sich wechselseitig bedingen! … Hexenverfolgung als negative Entsprechung zur Verehrung der jungfräulich-keuschen Gottesgebärerin, diese Sichtweise rückt ein eher marginalisiertes Kapitel der Kirchengeschichte ins Blickfeld.  …“, Lothar Drewke, in: Hirschberg 12/2002

„… Wenn man Fidlers Arbeit liest, wird deutlich, wie und vor allem warum sich solche kirchlichen Positionen im Laufe eines Jahrhunderte langen Prozesses entwickelt haben, ja entwickeln mussten. Deutlich wird aber auch, dass die Diffamierung von Sexualität und Frauen nicht zum ursprünglichen Bestand des Christentums gehören, sondern traurige Folgen ganz spezifischer mentalitäts- und religionsgeschichtlicher Rahmenbedingungen sind. … .“ Radiosendung des Bürgerradio-Lippeland e.V. im Hellwegradio am 13.12.2002

„Ein Bohrloch in die Tiefen der Seele einer westfälischen Kleinstadt zur Zeit der Gegenreformation“, Pastor Josef Kröger, Paderborn

„… Marienverehrung und Hexenwahn – kann es da einen Zusammenhang geben? Dieser Frage geht … Rudolf Fidler in einer breit angelegten Untersuchung nach und kommt zu überraschenden Ergebnissen. … Marienverehrung und Hexenverfolgung erscheinen … als eine doppelt angelegte Strategie zur Abwehr von Unheil. Beide Strategien stehen im Zusammenhang mit einem theologisch geprägten Frauenbild, das durch Idealisierung und Dämonisierung des Weiblichen gekennzeichnet ist. Die Heilige Jungfrau Maria diente dabei als Projektionsfläche für alle als positiv erachteten weiblichen Eigenschaften … Hexen dagegen unterstellte man die entsprechend umgekehrten negativen Aspekte einer aggressiven sexuell beherrschten Weiblichkeit.“ Claudia Puschmann, in: Unsere Kirche 3.3.2003

„… Dr. Fidler hat mit dem Buch ein heißes Eisen angepackt, weil es eine Beziehung zwischen zwischen der Altarstiftung und der Hexenverfolgung herstellt, … . Es wird sicherlich noch zu Diskussionen über die von ihm vorgelegten provozierenden Thesen kommen. …“, Hartmut Platte, in: Heimatblätter – Geschichte, Kultur und Brauchtum im Kreis Soest und in Westfalen, Folge 261/1/2003

„… Im letzten Drittel des Buches bestimmt Fidler das ikonographische Programm des Werler Rosenkranzaltars … . Die Identifizierung der Heiligen und auch der weltlichen und geistlichen Würdenträger … erscheint plausibel. Auch der Deutung des Altars als ein mögliches Mittel der innerstädtischen Konfliktlösung ist durchaus zuzustimmen. Insofern treibt Fidler den Forschungsstand voran. … Mit … insgesamt 75 Hexenverfolgungen nimmt Werl … eine Spitzenstellung ein. Die zweite Verfolgungswelle 1628-1630 verläuft nahezu zeitgleich mit der Stiftung des Rosenkranzaltars (1631). Eine unmittelbare Beziehung zwischen Altarstiftung und Hexenverfolgung sowie eine ‚ausgeprägte Marienfrömmigkeit‘ kann Fidler historisch allerdings nicht beweisen. … .  Kunstgeschichtlich ist das Tor zu einer weitergehenden Deutung des Rosenkranzaltars aufgestoßen.“, Dr. Ulrich Löer, in: Soester Zeitschrift 114/2002

„… Die Grundaussage eines Junktims von Marienfrömmigkeit und Hexenwahn wie Licht und Schatten erscheint mir, allgemein betrachtet, wenig neu, aber konkret auf die Werler Situation gerichtet, so herausfordernd wie mutig und insofern notwendig für das örtliche Bewusstsein. …“, Pfarrer i. R.  Johannes Ahlmeyer, Soest